Besuch des Saanen-Lagers

Nach meinem längeren 1000km-OLC Streckenflug entlang des Jura und Schwarzwaldes dachte ich, dieser Flug wäre es für eine Weile der letzte gewesen. Nun Umstände führten dazu, dass ich plötzlich doch noch ein paar Tage fliegen konnte. Ursprünglich waren die Tage von Sonntag bis Dienstag sehr gut prognostiziert. So entschloss ich mich die Kollegen im Saanen-Lager mittels Wandersegelflug zu besuchen. Wandersegelflug – sowas hatte ich bisher tatsächlich in meinen bald 17 Jahren Segelfliegen noch nie gemacht! Das Wetter schien einzig im Jura besser als in den Alpen zu sein. Dabei möchte ich nicht unbedingt einen guten Flugtag verpulvern, um mich den ganzen Tag tief den Hängen entlang zu hangeln…

Tag 1: 794km / https://www.onlinecontest.org/olc-3.0/gliding/flightinfo.html?dsId=8001787
Tag 2: 880km / https://www.onlinecontest.org/olc-3.0/gliding/flightinfo.html?dsId=8004612
Tag 3: 408km / https://www.onlinecontest.org/olc-3.0/gliding/flightinfo.html?dsId=8007938

Also machte ich einen relativ frühen Abflug in den Jura und später erst den Einstieg in die  Alpen.

Zu meiner Überraschung ging das AKW nicht und an der Barmelweid dufte ich gleich mal mit knappen 0.4m/s eher parkieren. Der Jura war weitgehend noch blau, der Schwarzwald sah da schon super aus. Aber wie komme ich mit 1400m und etwas Biese dorthin…? Eine gute Linie führte mich zum ersten Becken. Gemächlich ging es aus 1050m dann immer höher und weiter zum zweiten Becken. Hier ging es schön mit über 2.5m/s auf 2000m und dann einer Aufreihung entlang bis an die Basis von 2300m.

Den Schenkel entlang des Schwarzwaldes ging gut. Am nördlichen Ende sah dann die Optik in Richtung Odenwald weiterhin gut aus. Ich nahm etwas Tempo zurück, jedoch waren auch hier die Steigwerte recht gut. Dann weiter in Richtung Luftraum Frankfurt, also zwischen Sinsheim und Würzburg ging es wieder richtig flott mit Steigwerten über 3m/s. Ich flog dann solange weiter, bis ich in etwa gerade nach Süden in Richtung Aalen fliegen kann.

Dieses Strecke kenn ich und sie ist einfach bezüglich Lufträumen, sah dazu optisch auch gut aus. Mit durchschnittlichen Steigwerten von rund 2.8m/s und über 120km/h Schnitt ohne Wasser ging es auch da herrlich weiter. Leider standen kaum Aufreihungen und eine Cirrenabdeckung breitete sich langsam aus. So wurde es in der grossen Region um Aalen dann etwas schwieriger gutes Steigen zwischen vielen zusammenfallenden Wolken zu finden. Nun das Tagesziel war ja Saanen und nicht 1000km – ansonsten wäre meine Route etwas anderes und noch mehr nach Osten verlaufen.

Von Aalen aus sind es doch auch nochmals 350km Luftlinie und es war 15Uhr. Zeitlich eigentlich kein Problem, jedoch musste/wollte ich noch den Alpeneinstieg schaffen. Es ging dann ales tiptop bis in den Jura. In der Region Biel musste nun eine Entscheidung her. Es war mittlerweile 17:30 Uhr. Die Option wäre noch 75km weiter, also bis zum Lac de Joux und dann zurück nach Hausen – das gibt realistische 1000km aber keinen Ausflug nach Saanen, sowie keine weiteren Flüge die nächsten Tage (oder nur mit viel Aufwand z.B. via Birrfeld da kein Schlepper verfügbar ist). Oder den Jura weiter und dann doch noch nach Saanen mit Motorhilfe, so den Tag gut auszunutzen. Dies hätte ich eigentlich machen sollen… Jedoch ging ich direkt in die Berge. Obschon das gesamte Mittelland und die ersten Voralpenhügel blau waren, hoffte ich noch motorlos den Einstieg zu schaffen. Leider, obwohl ich schon recht früh am Gurnigel war, ging Thermisch gar nichts… Die Mittellandquerung war geprägt von viel Sinken, ich erreichte nur GZ 1:45 statt irgendwie 55-60. Möglicherweise wäre es 200m höher machbar gewesen…

Der Empfang in Saanen war super. Schnell war der Flieger abgestellt, ein Zelt gefunden und Christine, Ueli, Andrea und René teilten ihr Abendessen 🙂

Der Montag sollte dann ein Alpenflugtag werden. Meine Idee war den südwestlichen Punkt zu Nutzen und ein schönes FAI zu fliegen. Die Prognose sagte aber eher gutes Wetter für Südfrankreich voraus, weniger in den Ostalpen. Also erstellte ich einen Flugplan Furka-Puimoisson. Mir wurde dann gesagt, dass hier am Lager einen Start vor dem Briefing absolut unmöglich sei – und Briefing ist um 10Uhr! Naja, immerhin Starten können war mein Gedankte. So war es denn auch, denn es wurde genau 11 Uhr. In der gleichen Zeit was Alois Bissig von Buochs aus auch bereits in der Region. Ich konnte relativ zügig 2800m erreichen und flog 11:25 ins Wallis. Trotz einigen kleinen Wolkenfetzen ging eigentlich gar nix… ohje, somit war klar, dass der Tag nichts besonderes wird. In der Region Crans Montana machte ich ein paar Meter und flog dann zusammen mit Stéphane Monbaron vorsichtig in Richtung Aletschgebiet.

Mit mein 600kg und 21m war es mässig angenehm diese Warmluftblasen am Hang auszunutzen. Ich wollte mit Geduld eine Ablösung treffen um endlich etwas höher zu kommen. Diese Zeit hätte ich mir sparen können und gleich tief ins Goms fliegen. Denn schlussendlich musste ich es so machen und ab da war der Tag dann wirklich schön. Ab dem Nufenenpass ging es mit je 6 Aufwinden zum Ortler und wieder zurück. Die Steigwerte waren ok, aber nicht so gut wie am Vortag im Jura und in Süddeutschland. Dafür konnte man schöne Linien fliegen.

Retour an der Nufenen dann der eher ernüchternde Blick ins Wallis – viel blauer Himmel. Ueli war gerade vor mir und versuchte die Route vie Binntal. Felix war an der Nordseite. Ich wollte in die Écrins. Über dem Griessee entwickelte sich eine kleine Wolke und ein paar glitzernde Segelflieger drehten dort hoch oben. Bei mir gab der Aufwind auf 3500m zu stark ab, jedoch konnte ich in dieser Zeit die Konvergenz beobachten und entschloss diese zu nutzen. Ich flog schön auf der Grenze zu Italien und dies funktionierte Wunderbar. Bis zum Simplon hatte ich Ueli eingeholt, traf dort einen Aufwind perfekt und innerhalb zwei, drei Umdrehungen waren der Höhenunterschied wett gemacht.

Gemeinsam flogen wir Richtung Grächen. Dort trennte unsere Wege leider wieder, als ich einen schwachen Aufwind nutzte aber Ueli einen kleinen Umweg nahm. So richtig Hoch bin ich jedoch nicht gekommen. Mich zog es dann weiter via Gornergrat übers Theodulhorn nach Aosta.

So hoch wie möglich versuchte ich Aosta zu überfliegen, aus 4500m konnte ich dann auch abgleiten. Die Optik entlang der Route via Grand Paradiso sah dann eher mässig aus. Erst weit hinten in der Region vom Charbonnel standen wieder Wolken. Leider hatte ich bis dahin kaum Deutsche Flugzeuge gesehen – ein guter Hinweis ob die Routen funktionieren.

Nach Aosta fand ich dann eine Welle, welche sich wohl über einer Thermik bildete. Der Wind war mit 40km/h deutlich stärker als in der Schweiz. Möglicherweise ein Grund warum es kaum Wolken gab… Ich konnte ordentlich bis 4900m steigen und erhoffe ein gutes Abgleiten bis zum Charbonnel. Jedoch ging das eher schlecht, gegenüber von Val-d’Isère war die Höhe bereits verloren. In dieser Zeit merkte ich kein schütteln, nichts von Thermik oder so. Da es bereits 17 Uhr war, wollte ich kein spätes zurückkommen durch diese schwache Gegend riskieren und flog ohne viel zu Überlegen zurück. Rückblickend hätte es wohl bis Bardonecchia funktioniert.

So verlängerte ich den Flug Abends nochmals ins Binntal und dann bis zum Grand Combin, entlang der eindrucksvollen 4000er 🙂

Am Ende waren es etwa 880km, wobei der späte Start und die ersten langsamen 2h im Wallis eine grössere Strecke verhinderten. Besser funktioniert hätte am Morgen die Route den Voralpen entlang, an Chamonix vorbei Richtung Gap. Also wäre doch mehr drin gelegen…

An jenem Tag hatten wohl sehr viele Leute schöne Flüge machen können. Leider verlief der Flugtag nicht ganz wie gewünscht, aber es scheint doch einer der längsten Flüge zu sein, welche ab Saanen gemacht wurden. Die Region von Saanen hat wirklich gutes Potential für weite und noch weitere Streckenflüge.

Nach einem gemütlichen Abendessen und geselligem Abend folgte man nächsten Tag der Rückflug. Die Prognosen waren dabei nicht mehr so gut wie ursprünglich. So hatte es bereits am Morgen geregnet. Gegen Mittag machte sich dann eine Handvoll Segelflieger startbereit. Zuerst ging es unter viel Bewölkung eher schwach, bald schon gab es aber wirklich ordentliche Aufwinde.

Gute Aufreihungen ermöglichten mir zuerst ohne Kreise zum Niesen zu fliegen und dann mit wenig Aufwand vorbei an Jaun und Aigle etwas nach Westen zu gehen.

Da ich vor allfälligen Gewittern in Hausen sein wollte, ging ich früh den Voralpen entlang nach Osten. Die Basis sank dabei ab, die Bewölkung nahm wieder zu. Es war ein spannender Flug mit zwei, drei anspruchsvollen Stellen. Am Brünigpass konnte ich nochmals hoch Steigen, diese Höhe reichte dann gerade so, um am Fronalpstock mit ein paar 8er nochmals den Anschluss zu finden.

Die Region Hoch-Ybring ging dann super, jedoch zu nun ein Gewitter übers Mittelland. Ich plante den restlichen Flugwerg so, dass ich rund 10min vor dem Regen am Boden war. Zuerst wollte ich nach Osten erweitern, da die Vorhersage für dieses Gebiet gut war. Jedoch kurz nach der Landung entwickelnden sich auch dort stärkere Niederschläge.

Mein Kurzausflug nach Saanen konnte ich mit drei schönen und komplett unterschiedlichen Flügen abrunden. War echt cool!!

 

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